Hartz IV und der Tod
Hartz IV Sanktionen bringen den Tod
Schwere Vorwürfe erhebt das Erwerbslosen Forum (Elo) gegen die Hartz IV Behörde in Mönchengladbach. Einem 27jährigen ALG II Empfänger wurden die kompletten Sozialleistungen aufgrund von Sanktionen gestrichen
So mancher populistischer Politiker fordert noch immer den kompletten Sozialleistungssentzug von Hartz IV Empfängern, wenn diese sich gegen willkürliche Maßnahmen der Behörden zur Wehr setzen und somit angeblich eine Leistungsbereitschaft verweigern. Sogenannte Null-Sanktionen sind jedoch schon tödliche Realität, wie ein Fall aus Mönchengladbach beweist.
Ein 27jähriger Arbeitslosengeld II (ALG II) Bezieher aus Mönchengladbach erhält aufgrund von absurden Forderungen der Behörden seit Monaten keine ALG II Sozialleistungsbezüge. Momentan ist der gesundheitliche Zustand des Mannes in eine kritische Phase fortgeschritten, wie das Erwerbslosen Forum Deutschland berichtet. Die Arge in Mönchengladbach verweigert seit Dezember letzten Jahres jegliche Zahlungen. Der Grund sei, dass der Mann auf seinem informationellen Selbstbestimmungsrecht besteht und aus Datenschutzgründen keinen Einblick in seine persönlichen Daten gewährt. Ein entsprechender Eilantrag beim Sozialgericht Düsseldorf steht seit 3 Monaten aus. Bislang hat sich das Sozialgericht Düsseldorf in dieser Angelegenheit nicht geäußert. Die Folge ist nun, dass der Mann seine Wohnung zum 1. April räumen muss. Um dem Betroffenen zu helfen, hat das Erwerbslosenforum nun ein Vermittlungsangebot an die Geschäftsleitung der ARGE gesandt, damit diese entsprechend das Verfahren am Sozialgericht beschleunigt. Eine Antwort der Arge steht bislang noch aus.
Dem 27jährigen droht nun die Obdachlosigkeit und sogar der Hungertod. Gegenüber dem Sozialmagazin "PR Sozial" sagte dieser: "Was mir nun noch bleibt sind noch ein paar Tage bis der Körper endgültig aufhört zu funktionieren, denn immerhin haben schon zwei Arbeitsämter behauptet, dass der Mensch auch ohne Unterhaltsleistungen überleben kann".
Eigentlich wollte der Michael S. nach seiner Ausbildung zum Werkzeugmacher in diesen Beruf auch tätig sein. Doch gesundheitliche Einschränkungen machten diesen Traum zunichte. Stattdessen musste der 27 Jährige einen Hartz IV Antrag stellen. Doch der Antrag wurde nicht bearbeitet, so dass Michael S. darauf bestand, einen Termin noch vor Weihnachten zu erhalten. Bei diesem Temin wurde behauptet, dass er niemals einen Antrag auf ALG II gestellt hatte. Auch auf Drängen wurden keine Sozialleistungen genehmigt, weil nun die ARGE geschwärzte Kontoauszüge ablehnten. Doch die Kontoauszüge lagen der ARGE so vor, dass sie hätte sofort erkennen können, dass Bedürftigkeit vorliegt und kein Vermögen zu Seite geschafft wurde. Es bleibt zu hoffen, dass das Erwerbslosen Forum mit seiner Initiative zur Beschleunigung des Verfahrens Erfolg hat. Ansonsten droht im schlimmsten Falle eine weiterer Todesfall aufgrund von Hartz IV Sanktionen. Mitschuld tragen dann die Hartz IV Behörden in Mönchengladbach sowie das Sozialgericht in Düsseldorf. (24.03.2008)
Quelle: http://www.gegen-hartz.de/nachrichtenueberhartziv/0344e19a6b0cf7601.php
Hartz IV und der Tod: Mahnwache in Troisdorf
Vor einem Jahr wählte ein Mitstreiter des Erwerbslosenforum Wombel den Freitod. Wenngleich Hartz IV nicht ausschließlich für seinen, selbst gewählten Tod verantwortlich ist, so waren es die Sanktionspraktiken bis auf Null, der berühmte Tropfen, der das Fass überlaufen ließ. Hartz IV interessiert sich nicht dafür, was aus den so würdelos gemachten Menschen wird. Der Tod scheint billigend in Kauf genommen zu werden, um „Fälle“ zu den Akten legen zu können.
Wombels ehemaliger WG-Mitbewohner Achim beschreibt im Folgenden sehr persönlich die Ereignisse von vor einem Jahr:
Fast ein Jahr ist nun vergangen, seit dem mein Freund Wombel aus seinem, meinem und dem Leben vieler Freunde schied. Am frühen Abend des 26. Juli 2008 fanden Polizeibeamte ihn erhängt in seiner Garage. Der genaue Zeitpunkt seines Ablebens konnte aufgrund der Umstände nie genau ermittelt werden. Der letzte, der ihn lebend sah und mit ihm sprach war unser Vermieter, der ihn am späten Nachmittag des 17. Juli 2008 aufsuchte, um mit ihm den Mietrückstand für den Monat Juli zu besprechen.
Wie der Vermieter mir zehn Tage später berichtete, sicherte Wombel ihm zu, dass die Angelegenheit bis zum Ende des Monats erledigt sei. Unserer Vermieter, ein umgänglicher Mensch, beließ es dabei und war umso erschütterter, als er erfuhr, wie Wombel die Situation gelöst hatte. Gut drei Wochen nach seinem Tod erklärte mir Wombels Sachbearbeiterin, die nun auch meine war, ungefragt, dass sie die Akte des Herrn G. Ende Juni geschlossen hatte, da er, wie sie sagte, nicht mehr mit ihr kommunizierte und auch auf Anschreiben nicht mehr reagierte.
Augenscheinlich hatte sie ihm in einem halben Jahr die ALG II Regelleistung und Kosten der Unterkunft (KDU) bis auf Null gekürzt. Sicher scheint, dass dies nicht der einzige Grund für Wombels Entschluss war, aus dem Leben zu scheiden, wohl aber der letzte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte.
Was in Wombel vorging, wird immer sein Geheimnis bleiben. Äußerlich hatte er sich jedoch in den letzten Monaten seines Lebens stark verändert. Sein Vollbart und sein langes Haar wurden in der kurzen Zeit eisgrau. Nun, nach seinem Ableben, könnte man vermuten, dass in dieser Zeit sein Lebenslicht langsam und stetig schwächer wurde, sich eisige Kälte in ihm ausbreitete, bis er seinem Leben dann ein Ende setzte. Wie auch immer: Alle seine Freunde, darunter auch meine Töchter und ich, tragen Gedanken an ihn, einen herausragenden Menschen, in ihrem Herzen - und so lange dies so ist, so lange lebt er weiterhin unter uns…
Dennoch vermissen wir ihn hier …
Deshalb möchten wir am 27. Juli eine Mahnwache halten und laden alle dazu ein, den Menschen zu gedenken, die so würdelos gemacht, freiwillig aus dem Leben scheiden. Die Mahnwache in Troisdorf findet am 27 Juli 08, 13-18:00 Uhr, ARGE Rhein-Sieg, Job-Center Troisdorf, Kölner Str. 176, 53840 Troisdorf (Rathaus) statt. Ein Flugblatt kann man sich hier herunter laden. (22.07.2009)
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